Montag, 20.11.2017 16:18 Uhr

Zwischen humanitärer Pflicht und Sicherheitsbedürfnis

Verantwortlicher Autor: Tamás György Morvay Zürich, 05.03.2017, 16:36 Uhr
Presse-Ressort von: Tamás Morvay Bericht 5755x gelesen
1. März 2017: Podiumsdiskussion in Zürich
1. März 2017: Podiumsdiskussion in Zürich  Bild: Tamás György Morvay

Zürich [ENA] In Zürich diskutierten am Mittwoch Abend, in den Räumlichkeiten der Israelitischen Kultusgemeinde ICZ, zwei prominente Schweizer Politiker mit zwei Vertretern der jüdischen Gemeinschaft angeregt über "Migration, Sicherheit und Terrorismus". Klar wurde, dass grosser Handlungsbedarf besteht.

Das Spannungsfeld des Themas wurde schon in der Einladung zur Veranstaltung mit klaren Worten benannt: "Tausende Menschen suchen Schutz hier in der Schweiz. Hat es unter den Flüchtlingen auch Extremisten und falls ja, welchen Schutz brauchen Schweizer Juden?" Bereits in ihrer Begrüssung benannte ICZ-Präsidentin Kertész den "Elefanten im Raum": die Kosten für die Sicherheit, in der aktuellen Rechnung der Gemeinde 800,000 Schweizer Franken sollen, so etwa der Bericht über "Massnahmen des Bundes zur Bekämpfung von Antisemitismus in der Schweiz", durch die Äufnung eines Fonds, durch die Schweizer Juden selbst aufgebracht werden. Auf dem Podium war man sich einig: das geht gar nicht.

Sowohl der Präsident des Schweizerisch Israelitischen Gemeindebundes SIG, Dr. Herbert Winter, als auch der Ko-Organisator des Anlasses und Präsident des Vereins Jüdischer Studenten Schweiz SUJS, Michael Holz, stellten die aus der jüdischen Geschichte, wie auch der jüdischen Religion selbst sich ergebende Verpflichtung, Fremde aufzunehmen heraus. Ebenso klar allerdings sei, so die Votanten, dass niemand dazu verpflichtet werden kann, solche Menschen aufzunehmen, die ihnen nach dem Leben trachten. Deutlichere Worte fand das, durch eine WhatsApp-Gruppe, eingebundene Publikum, etwa in der Aussage eines Teilnehmers: Toleranz gegenüber anderen Kulturen funktioniert nur, wenn die andere Kultur sich auch dazu bekennen kann.

Das Missbehagen vieler Schweizer Juden brachte SIG-Präsident Winter zum Ausdruck, als er etwa auf den inneren Widerspruch im erwähnten Bericht zu Antisemitismus einging, es gäbe keine konkrete Gefahr, aber eine erhöhte Bedrohungslage. Auch Ständerat Daniel Jositsch kritisierte den Bericht, der zunächst das "Problem Antisemitismus" klar benenne, um dann einerseits die Verantwortung für das "Schutzbedürfnis" auf die kantonale Ebene schiebe und aktiv die Ergreifung von Massnahmen auf Bundesebene ablehnte. Alfred Heer hatte die Lacher auf seiner Seite mit der Antwort auf die Schlussfrage des Moderator, was zu tun wäre, damit das Thema nicht noch in 10 Jahren aktuell sei: beten Sie am Samstag in der Synagoge. Chutzpah ist auch jüdischer Humor!

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