Samstag, 08.05.2021 11:28 Uhr

Unsicherheit um Mahmud Abbas

Verantwortlicher Autor: Tamás György Morvay Ramallah, 16.04.2021, 12:28 Uhr
Presse-Ressort von: Tamás Morvay Bericht 3350x gelesen

Ramallah [ENA] Die Gerüchteküche brodelt seit den Ostertagen. Die bisher mehrheitlich auf Hörensagen beruhenden Aussagen konzentrieren sich in erster Linie auf den Gesundheitszustand des 85-jährigen Präsidenten der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA). Ausserdem hört man, Abbas wolle neben seines medizinischen Routine-Check-Ups auch die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel treffen. Nach 2 Wochen ist noch immer vieles unklar.

In einer erst über die Nachrichtenagentur AFP verbreiteten Meldung - die sich ihrerseits auf anonyme Quellen aus dem Umfeld des "Büros des Präsidenten" stützt - wurde der greise Abbas, der in der Vergangenheit mehrfach notfallmässig nach Israel in ein Krankenhaus eingeliefert worden war, am 6. April per Hubschrauber von Ramallah in die jordanische Hauptstadt Amman evakuiert. Für diese Nachricht, die Lauffeuer-artig auch von israelischen und deutschspachigen Medien verbreitet wurde, gibt es allerdings keinerlei offizielle Bestätigung. Selbst nachdem Mohamed Dahlan, Abbas' Hauptrivale im Wahlkampf zu den für Juli angesetzten Wahlen zur Präsidentschaft, öffentlich spekulierte, herrschte am Sitz des Behördenchefs Schweigen.

Doch erst in den Abendstunden des 5. April konnten Flugbewegungen aus der jordanischen Hauptstadt auf den gängigen Websites beobachtet werden, darunter insbesondere ein Gulfstream IV mit der Registrierungs-Nr. N51PR. Die Maschine flog erst um Israel herum und nahm dann Kurs auf die Mittelmeerküste. Zuletzt konnte man den Flieger in der Nähe der Küstenstadt Tobruk sehen, kurz darauf schaltete es die zivile Erkennung ADS-B ab und erschien erst wieder am Boden auf Kreta. Hier befindet sich die Marinebasis Souda Bay, welches von der britischen Navy sowie von NATO-Streitkräften genutzt wird. Von dort gab es dann am nächsten Tag erst eine Flugbewegung in Richtung Deutschland: der Flug GAF880 nach Köln-Bonn landete um 16:30 Uhr nachmittags.

Dies ist bisher der deutlichste Hinweis darauf, dass sich Mahmoud Abbas in Deutschland aufhalten könnte. Eine Bestätigung steht allerdings nach wie vor aus. Sodann ist natürlich die Frage, wie weit Abbas' Gesundheit beeinträchtigt ist, ob also die Beteuerungen aus seinem Umfeld, es handele sich um Routineuntersuchungen, zutreffen. Dagegen spricht bisher, dass es nach seiner Verlegung über einen Tag gedauert hatte, bis er - wenn unsere Recherche stimmt - in Deutschland angekommen ist, und dass er während der einzelnen Etappen der Reise nicht mehr als knapp 4 Stunden in der Luft war und anschliessend ausgedehnte Pausen benötigte. Eine zitierfähige Aussage war vom deutschen Auswärtigen Amt nicht zu erhalten.

Das beharrliche Schweigen, sowohl deutscher wie auch palästinensischer Kreise hielt bis vorgestern an. Dann vermeldete der gewöhnlich gut informierte israelisch-arabische Journalist Khaled Abu Tomaeh über Twitter, Kanzlerin Merkel hätte mit Abbas telefoniert. Der PA-Chef habe die deutsche Regierungschefin, gemäss dieser Quelle, gebeten, Druck auf Israel auszuüben, damit die geplanten Wahlen - zum Parlament und Präsidentschaft - insbesondere unter Einbezug von Jerusalem abgehalten werden können. Keine Ortsangabe, keine Bewertung des Telefonats. Und die Bundesregierung hüllt sich weiterhin in Schweigen. Sie muss insbesondere nun erklären, ob sie Abbas' Aufenthalt allenfalls als Privatbesuch betrachtet, ob es deshalb keine Stellungnahmen gibt.

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