Donnerstag, 22.10.2020 17:10 Uhr

Treffen der grossen Drei: 75 Jahre Potsdamer Konferenz

Verantwortlicher Autor: Tamás György Morvay Potsdam, 06.07.2020, 10:33 Uhr
Presse-Ressort von: Tamás Morvay Bericht 6644x gelesen
Schloss Cecilienhof
Schloss Cecilienhof  Bild: Tamás György Morvay

Potsdam [ENA] Vor 75 Jahren trafen sich die siegreichen Grossmächte des Zweiten Weltkriegs, vor den Toren der Stadt Berlin - angesichts der Zerstörungen war es nicht einfach gewesen, einen Tagungsort ausfindig zu machen - um über den Abschluss des Krieges in Europa und ihren Umgang mit den Besiegten zu beraten.

Es war im Sommer des Jahres 1945, dass sich die Sieger des Zweiten Weltkrieges in Europa, zur letzten der drei Konferenzen - nach Teheran 1943 und Jalta 1945 - zum letzten Male, bereits im Schatten des anbrechenden Kalten Krieges, vor den Toren des zerstörten Berlins trafen. Es galt, sich auf den Umgang mit den besiegten Deutschen zu einigen, zugleich jedoch ebenso darum, auf dem pazifischen Kriegsschauplatz mit vereinten Kräften aufzutreten. Besonders der US-Präsident Harry S. Truman drängte auf den Kriegeintritt der Sowjetunion, auch gegen die Japaner. Diesen Themen, aber auch der Neuordnung der Welt im Nahen Osten und im Angesicht der Vertreibungen aus Ostpreussen, widmet sich die Ausstellung an historischem Schauplatz.

Leitmotivisch nimmt die Figur des Sekretärin der britischen Delegation, einer junge Londonerin, anhand von deren Tagebuch-Auszügen, den Besucher mit auf die Reise durch die Entstehungsgeschichte der Potsdamer Konferenz und der Nacherzählung von deren Ablauf mit. So entstehen authentische Eindrücke des Konferenzalltags, welche auch die zwischenmenschlichen Aspekte in einem besonderen Licht erscheinen lassen. Durch die Wahrnehmung dieser jungen Frau gewinnen die historischen Akteure an Plastizität und der Betrachter gewinnt Einblicke aus einer sehr persönlichen Perspektive auf die Ereignisse. Die Dramaturgie der Tagung wird auf diese Weise dem Zuschauer quasi als persönliches Erlebnis vermittelt, ein sehr gelungener gestalterischer Kniff.

Faszinierend auch die charakterliche Darstellung der Hauptakteure und deren mitunter sehr menschlichen Züge, sowie der Einbettung dieser in den historischen Kontext: der Einfluss der "der Sowjetunion wohlgesonnenen" Haltung Franklin D. Roosevelts und die Gegensätzlichkeit in der Person seines Nachfolgers Harry S. Truman, den die Aussteller als "Kalten Krieger" charakterisieren, wird ebenso deutlich, wie die unterschiedlichen Akzente zwischen Winston Churchill und Ernest Bevin. Auch die Feststellung, am Ende wäre nur noh der sowjetische Diktator Stalin da gewesen, der durch den ganzen Krieg hindurch an gleich bestimmenden Stelle habe agieren können, und der strategische Vorteil dieser Positionierung, werden dem Betrachter nahe gebracht.

Wohltuend neutral, weil so gar nicht "Oberlehrer"-haft, und dennoch nicht emotionslos gestaltet sich die Anlage der Nacherzählung. Deutlich wird dies insbesondere in der Einbettung in den Kontext der Neugestalung der Welt durch die Sieger. Das Fraternisierungsverbot und der Hinweis in einem Ausbildungsfilm der US Armee, dass die freundlich auftretende deutsche Zivilbevölkerung ja nicht als "Freundschaft" missdeutet werde, zeugen ebenso davon, wie die Darstellung der Kriegsgräuel in Europa und Fernost. So gelingt auch die Balance in der Haltung gegenüber den "displaced persons", seien es die Überlebenden des industriellen Massenmords der Juden, die ausgeraubten und entwurzelten Ostpreussen, oder die von den Japanern unterjochten Chinesen.

Begleitend zur Ausstellung ist ein Buch mit Beiträgen erschienen, herausgegeben durch den Kurator der Ausstellung, den wissenschaflichen Leiter der Stiftung Preussische Schlösser und Gärten, Dr. Jürgen Luh, das die gesamte Bandbreite der durch dieAusstellung abgedeckten Themen beleuchtet. Zu besuchen ist die Ausstellung noch bis Ende Jahr, wenngleich Corona-bedingt zur Zeit nur ein begrenztes Kontingent an Eintrittskarten pro Tag und ausschliesslich online gebucht werden können.

Für den Artikel ist der Verfasser verantwortlich, dem auch das Urheberrecht obliegt. Redaktionelle Inhalte von European-News-Agency können auf anderen Webseiten zitiert werden, wenn das Zitat maximal 5% des Gesamt-Textes ausmacht, als solches gekennzeichnet ist und die Quelle benannt (verlinkt) wird.
Zurück zur Übersicht
Info.