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Starke Stimmen am Holocaust Gedenktag in Luzern

Verantwortlicher Autor: Tamás György Morvay Luzern, 03.02.2015, 09:29 Uhr
Presse-Ressort von: Tamás Morvay Bericht 5051x gelesen
Die Redner des Abends
Die Redner des Abends  Bild: Tamas György Morvay

Luzern [ENA] Im Rahmen der Ausstellung "Besa" in Luzern fand die Gedenkfeier an den 70. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau statt. Nicht zuletzt die illustre Rednerliste konnte zahlreiche Besucher für den Anlass begeistern. Ihre Erwartungen wurden nicht enttäuscht.

Im Jahre 2005, also genau vor 10 Jahren, erklärte die UNO den Tag zum Internationaslen Holocaust-Gedenktag, er wird seither in zahlreichen Ländern rund um den Globus begangen. Der Tag wurde ausgesucht, weil am 27. Januar 1945 die sowjetische Rote Armee das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau befreit hatte. Von den über 6 Millionen jüdischen Opfern des Holocaust, kamen alleine in Auschwitz eine Million um, davon fast die Hälfte aus Ungarn, die zwischen März und Juli 1944 aus ihren Heimatgemeinden - zumeist aus der Provinz, aber auch aus der Hauptstadt Budapest - in Sammeltransporten an die berüchtigte Rampe der Selektion und anschliessend in die Gaskammern gebracht wurden.

Die Besa-Wanderausstellung erinnert an albanische Muslime, die während des Zweiten Weltkrieges - oft unter realer Lebensgefahr für sich selbst - Juden versteckten und sie vor der Vernichtung retteten. "Besa" ist der Teil des albanischen Ehrenkodex, wonach "das Haus des Albaners Gott und dem Gast gehört". Der amerikanische Fotograf bereiste zwichen 2003-2008 Albanien und Kosovo, um diese Menschen zu porträtieren und ihre Geschichten als albanische "Gerechte unter den Nationen" zu dokumentieren. In der Schweiz hat das Team mit Esther Hörnlimann, Sandra Hoffmann, Lahor Jakrlin und Alain Pichard diese, von der israelischen Gedenkstätte Yad Vashem konzipierte Wanderausstellung, organisiert; sie ist noch bis 13. März 2015 zu besichtigen.

Das erste Grusswort des Abends, gesprochen von Gabrielle Rosenstein, der Präsidentin des Verbands Schweizerisch Jüdischer Fürsorgen, spannte bereits den Bogen von der Erhaltung der Erinnerung an die Grauen der Vergangenheit zu den schrecklichen Ereignissen der letzten Wochen, die besonders für jüdische Bürger in Europa existenzielle Fragen aufwerfen: "Bin ich noch Nachbar oder schon Ausgestossener? Habe ich noch eine Lebensgrundlage?", fragte Rosenstein, und wurde noch deutlicher: "Ist das hier noch meine Heimat?" Sie mahnte an, "Besa" als eine moralische Stütze aus der Vergangenheit, für die Gegenwart zu nutzen, wenngleich sie sich auch fragte, ob wir hier auch Besa-fähig wären.

Feuriger Apell an leben und handeln nach der Maxime "Nie Wieder!"

Die US-Botschafterin in der Schweiz, Suzan G. LeVine, stellte ihrerseits eindrücklich dar, wie jüdisches Leben der Generation der Nachgeborenen diese in die Pflicht nimmt. Indem sie die Losung "Nie wider" nicht als Wunsch sondern als Verpflichtung darstellte, kam sie zum Schluss, an diesem Tag nicht nur gedenken zu wollen, aber zu leben und zu handeln. Jüdisch zu bleiben, die jüdischen Werte zu bewahren sei eine Verpflichtung, die sie den 6 Millionen Opfern schulde, die ermordet wurden, nur weil sie Juden waren. Un d sie schloss, nach Zitaten ihres Präsidenten und ihres Aussenministers, indem sie erneut ausrief, jedes Leben sei gleich viel Wert, und die Maxime des "Nie wieder" müsse Leitschnur unseres Lebens und Handelns bleiben.

Höhepunkt des Abends war das Referat der ersten Frau in der Schweizer Landerregierung, Alt-Bundesrätin Elisabeth Kopp.Ihr Referat mit dem Titel "Gedanken zum Internationalen Holocaust-Gedenktag und was wir daraus lernen können", legte die Juristin um Zitate berühmter Zeitgenossen, wie des Philosophen Karl Popper oder des Politikers Winston Churchill, an. Dies in der Absicht, daraus ein sehr persönliches, von ihrem seit frühester Jugend geprägten Einsatz für verfolgte Andersdenkende und aus ihren Heimatländern vertriebene Menschen, Bekenntnis zu gemeinsamen Handeln über Sprach-, Religions- und Staatsgrenzen hinweg abzugeben, welches die Menschheit weiterbringt.

Poppers Warnung, wonach bisher jeder "Versuch, das Paradies auf Erden zu erschaffen, stets die Hölle produziert" habe, sieht Kopp als Warnung der Geschichte, welche auch für die heute, angeblich im Namen eines radikalen Islams, in unsere unmittelbare Nachbarschaft getragenen Glaubenskriege gilt. Was sie zu einem weiteren Zitat des grossen Philosophen bringt: "Wir müssen für die Freiheit planen und nicht für die Sicherheit, wenn auch vielleicht aus keinem anderen Grund, als dem, dass nur die Freiheit die Sicherheit sichern kann.

Kopp nannte neben der in der Ausstellung herausgehobene Haltung des "am Rande Europas" liegenden Albaniens, auch das nicht immer ruhmreiche Verhalten der von den Achsenmächten umzingelten Schweiz und besonders deren Regierung während der Kriegsjahre. Doch wies sie auch darauf hin, dass viele Menschen damals die Politik ihrer Regierung nicht guthiessen. Und sie nannte auch die beiden bekanntesten Zivilpersonen, welche sich für Juden einsetzten: den St. Galler Polizeikommandanten Paul Grüninger, der österreichischen Juden den Grenzübertritt ermöglichte, und den Diplomaten Carl Lutz, der ungarischen Juden Schutzpässe ausstellte. Beide mussten für ihre Rehabilitation den Rest ihres Lebens kämpfen.

Wunderschön auch das Bild eines persönlichen Erlebnisses im Kosovo, mit dem Elisabeth Kopp ihre Gedanken schloss: ein russischer und ein Schweizer Soldat, die im Rahmen der KFOR am Wiederaufbau einer im Balkan-Krieg zerstörten Brücke beteiligt waren. Sie hätten sich zu einer Tase Kaffee getroffen, obwohl keiner die Sprache des anderen sprach, und sie auch keine gemeinsame Drittsprache hatten. Aber man brauche für die Verständigung eben keine Worte, so zitierte sie den Schweizer, wenn man den ganzen Tag über gemeinsam eine zerstört Brücke wieder aufbaue. Deshalb auch der Schlusssatz in ihrer Rede: wer Menschen in der Not hilft, stärkt nicht nur den Frieden in der Welt, sondern auch den Frieden in sich selbst.

Höhepunkt des Abends war das Referat der ersten Frau in der Schweizer Landerregierung, Alt-Bundesrätin Elisabeth Kopp.Ihr Referat mit dem Titel "Gedanken zum Internationalen Holocaust-Gedenktag und was wir daraus lernen können", legte die Juristin um Zitate berühmter Zeitgenossen, wie des Philosophen Karl Popper oder des Politikers Winston Churchill, an. Dies in der Absicht, daraus ein sehr persönliches, von ihrem seit frühester Jugend geprägten Einsatz für verfolgte Andersdenkende und aus ihren Heimatländern vertriebene Menschen, Bekenntnis zu gemeinsamen Handeln über Sprach-, Religions- und Staatsgrenzen hinweg abzugeben, welches die Menschheit weiterbringt.

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