Sonntag, 06.12.2020 03:07 Uhr

Neues Kapitel der israelisch-arabischen Beziehungen

Verantwortlicher Autor: Tamás György Morvay Jerusalem/Israel, 01.09.2020, 18:42 Uhr
Presse-Ressort von: Tamás Morvay Bericht 6086x gelesen
Begrüssung auf dem Flugfeld
Begrüssung auf dem Flugfeld  Bild: Elias Nir - imago images/UPI Photo; license: editorial context for website

Jerusalem/Israel [ENA] Israels Nationaler Sicherheitsberater Meïr Ben-Shabbat wird von seinem Gesprächspartner auf dem Flugfeld in Abu Dhabi begrüsst. Eine Delegation, begleitet von Vertretern der Administration Trump, weilte zu Gesprächen vom 31. August - 1. September 2020 in den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Es ist ein wahrlich historisches Ereignis: fast ein Vierteljahrhundert nach Unterzeichnung des Friedensvertrages mit Jordanien, und im 43. Jahr nach dem Besuch des ägyptischen Präsidenten Anwar Sadat in Jerusalem, verlässt gestern vormittag eine Maschine der israelischen Fluggesellschaft El Al den internationalen Airport Ben-Gurion, in Richtung Abu Dhabi, am Persischen Golf. An Bord ist eine Delegation aus Regierungsvertretern und ministerialen Fachleuten. Es sind die ersten offiziellen Gespräche, nur wenige Tage nach der Bekanntgabe der Verständigung beider Länder auf Normalisierung ihrer diplomatischen Beziehungen, vermittelt durch den US-Präsidenten Donald Trump, repräsentiert durch seine Berater Robert O'Brien und Jared Kushner.

Als historisch darf der Flug auch deswegen bezeichnet werden, weil er nicht auf dem umständlichen Weg rund um die Arabische Halbinsel führt: Saudi-Arabien erlaubt nicht nur die Nutzung seines Luftraumes, das israelische Flugzeug darf dabei auch die saudi-arabische Hauptstadt Riad überfliegen. Wohl aufgrund von Sicherheitsüberlegungen erfolgt der Anflug auf Abu Dhabi weiter über die Südgrenze der Emirate, und nicht entlang der wesentlich dichter überflogenen, und auch näher bei Iran gelegenen, Route über dem Persischen Golf.

Offenkundig herzlich ist der Empfang der israelischen Delegation durch die Emirati, die Gastgeber zeigen sich getreu dem sprichwörtlichen Ruf der orientalischen Gastfreundschaft. Als Zeichen seiner Wertschätzung richtet Meïr Ben-Shabbath seine ersten Grussworte in fehlerfreiem Arabisch an seine Zuhörer, bevor er - gewiss auch dies ein Novum - auf Hebräisch fortfährt. Und noch eine Geste, die jedoch beileibe nicht symbolisch bleibt: noch während der ersten Stunden geben die Emirate die Aufhebung des Gesetzes bekannt, nach dem Geschäftskontakte zu Israeli und mit Israel bis anhin verboten waren.

Erstes konkretes Ergebnis der Gespräche ist sodann die Unterzeichnung eines Memorandums mit dem Ziel, eine gemeinsame Kommission zur Regelung der Finanz- und Bankenzusammenarbeit einzurichten. Damit sind die Voraussetzungen zu gegenseitigen Direktinvestitionen erfüllt - die beiden ökonomischen "Powerhouses" haben einander sehr viel zu bieten. Vielversprechend geht es sodann weiter: biede Seiten bekunden ihre Bereitschaft, den Friedensvertrag so schnell wie möglich aushandeln zu wollen. Das wird der amerikanische Präsident gerne vernommen haben, der in der heissen Phase des Wahlkampfes steht, und für die Vertragsunterzeichnung im Weissen Haus schon ganz konkrete Pläne hat. Ob er dazu seine demokratischen Vorgänger Carter und Clinton einlädt?

Während man davon ausgehen kann, dass dem Beispiel der Emirate bald weitere arabische Staaten folgen werden, überrascht auf der anderen Seite die Reaktion aus Teheran und Ramallah. Die aussergewöhnliche Härte, mit der die Ablehnung durch den obersten Führer der iranischen Klerikalen formuliert wird, deutet wohl an, wie gross die Angst der Mullahs wohl vor einer politischen Isolierung ist. Und die palästinensischen Araber? - "Viel zu lange besassen die Palästinenser ein Veto zum Frieden zwischen Araber und Israel. Wenn wir auf sie warten, warten wir noch lange", hatte Netanjahu gestern erklärt. Und Jared Kushners Botschaft: "Sie müssen wieder an den Verhandlungstisch zurückkehren." - Bisher hat die Führung in Ramallah darauf keine Antwort.

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