Freitag, 21.07.2017 06:29 Uhr

Jerusalem feiert 50 Jahre Wiedervereinigung

Verantwortlicher Autor: Tamás György Morvay Jerusalem, 22.05.2017, 12:50 Uhr
Presse-Ressort von: Tamás Morvay Bericht 5645x gelesen
Die Klagemauer in Jerusalem - am Fusse des Tempelbergs, dem Mittelpunkt der jüdischen Welt
Die Klagemauer in Jerusalem - am Fusse des Tempelbergs, dem Mittelpunkt der jüdischen Welt  Bild: Tamás György Morvay

Jerusalem [ENA] Israel feiert den 50. Jahrestag der Wiedervereinigung seiner Hauptstadt. Jerusalem, die Stadt König Davids, wo nach der Überlieferung der Tempel stand, welche vor der Entstehung des rabbinischen Judentums und der Verfestigung der mündlich interpretierten Auslegung der Schriften zentral gewesen war.

Mit Ausnahme der 19-jährigen Besetzung durch das Königreich Jordanien - nach dem Waffenstillstand im Unabhängigkeitskrieg im Jahre 1949 und bis zum Ausgang des Sechs-Tage-Kriegs im Juni 1967 - schaut Jerusalem auf eine jüdische Mehrheit der Bevölkerung seit Mitte des 19. Jahrhunderts zurück. In den vier grossen Einwanderungswellen, den sog. Aliyah, zwischen 1890-1930, verdoppelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner der Stadt, während insbesondere der wirtschaftliche Aufschwung nach Ende des Ersten Weltkriegs, wie auch der erwachende arabische Nationalismus auch eine Zuwanderung arabisch-muslimischer Menschen zur Folge hatte. Kurz vor der Staatsgründung Israels betrug der Anteil der Juden in Jerusalem etwa 2/3 der 150'000 Bewohner.

Die Völkergemeinschaft konnte sich, auch nach der Erfahrung der zivilisatorischen Zäsur durch den Holocaust, nicht dazu durchringen, Jerusalem entweder dem jüdischen oder dem arabischen Staat zuzusprechen, welche im Teilungsplan der UNO vorgesehen waren. Jerusalem sollte ein sog. Corpus Separatum werden, ein unter internationaler Verwaltung stehendes Zentrum der 3 monotheistischen Weltreligionen. Im sog. Unabhängigkeitskrieg überfielen im Mai 1948 arabische Armeen den neu gegründeten Staat Israel. Jordanien besetzte die historische Altstadt Jerusalems und weite Teile eines Gebiets, das - taktisch klug - fortan "Westbank" genaqnnt wurde. Ausser Grossbritannien und Pakistan hat niemand diese Besetzung je anerkannt.

Keine zwei Jahrzehnte später hatten sich die Araber, angeführt von dem vom Traum des Pan-Arabismus besessenen ägyptischen Präsidenten Gamal Nasser, grandios verkalkuliert. Der Krieg, provoziert durch die Schliessung der Strasse von Tiran, brachte Israel massive Landgewinne: den Sinai im Westen, die Golanhöhen im Norden sowie Jordaniens "Westbank". Die Rückeroberung Jerusalems am 3. Tag des insgesamt nur sechs Tage dauernden Krieges im Juni 1967 trägt zu Recht das Attribut historisch. Obschon, unlängst veröffentlichten Dokumenten zufolge, im strategischen Denken der israelischen Generalität und politischen Führung nicht explizit angedacht, nutzte man die sich bietende Chance. Das Bild der 3 Elitesoldaten an der Klagemauer ging um die Welt.

Auf den schnellen militärischen Erfolg folgte politisches Zögern: während 1967 die Bemühungen um eine ausgewogene UN-Resolution effektiv alle weiteren Schritte ausbremsten, zeigte sich in den Jahren unmittelbar darauf, dass ein schneller Friedenschluss wohl kaum zu realisieren war. PLO-Terror, in der Schmach der Niederlage verbohrten arabischen Herrscher, der unglücklich eingefädelte sog. Rogers-Plan - sie zeigten die Ohnmacht, die Unfähigkeit zu Bewegung. Und nach dem Ausgang des nächsten Konflikts im Jahre 1973 hatten sich die politischen Kräfteverhältnisse, nicht zuletzt als Ergebnis der Pendeldiplomatie Henry Kissingers, soweit verschoben, dass der Status Quo in Jerusalem und in Judäa und Samaria nicht zu verändern war.

Inzwischen sind 50 Jahre vergangen seit der Befreiung des Ostteils der Stadt. Das Jerusalem-Gesetz, verabschiedet im israelischen Parlament im Jahr 1980 - unter der ersten konservativen Regierung Israels, welche die Gründergenaration von Arbeitspartei ablöste - brachte wohl Klarheit in Israel. Eine internationale Anerkennung blieb diesem Schritt jedoch versagt. Im Gegenteil, die Resolution 478 des UN-Sicherheitsrates ist einer der wenigen Entschliessungen dieses Gremiums zu ahost, welche einstimmig beschlossen wurden. Weder im Rahmen des sog. Oslo-Prozesses nach 1993, noch unter den Bemühungen der Administratilon Obama ins Zentrum gerückten Forderung nach Jerusalem als Haupstadt zweier Staaten gelang es am Status Quo etwas zu ändern.

Es ist nicht so sehr die Amtsübernahme Donald Trumps in Washington, mit seiner jüdischen Tochter und einem orthodox-jüdischen Botschafter David Melech Friedmann, oder dem im Wahlkampf gemachten Versprechen, die US-Botschaft nun nach Jerusalem zu verlegen, die in Israel die Hoffnung weckten, dass sich nun etwas ändern wird. Es ist vielmehr, dass Israel - wohl unter den vermeintlich geänderten Vorzeichen in Washington - klarer und deutlicher die Forderung danach artikuliert. Israel zeigt nun das Selbstbewusstsein, dass die Sieger des Sechs-Tage-Krieges vermissen liessen - oder vielleicht aufgrund der realpolitischen Lage hintanstellen mussten.

Während es für den Rest der Welt nach wie vor völkerrechtliche Bedenken sind, resp. die Schwierigkeiten, welche gemeinhin angenommen werden, um zB. bestehende UN-Resolutionen abzuändern, überwiegen in Israel heute die realpolitischen Argumente. Jerusalem ist, mit Ausnahme vielleicht der gewollt abgekoppelten arabischen Vororte, in denen sich extreme arabische Kräfte noch immer halten können und die eine Befriedung, und auch den dringend benötigten Wohlstandsschub, effektiv behindern, eine zusammengewachsene Einheit. In den Ritualen an hohen jüdischen Feiertagen versprechen sich Betende seit Jahrtausenden "nächstes Jahr in Jerusalem" - Zeit, dass Jerusalem nun auch seine Bestimmung lebt: die ewige ungeteilte Hauptstadt des Staates Israel.

Für den Artikel ist der Verfasser verantwortlich, dem auch das Urheberrecht obliegt. Redaktionelle Inhalte von European-News-Agency können auf anderen Webseiten zitiert werden, wenn das Zitat maximal 5% des Gesamt-Textes ausmacht, als solches gekennzeichnet ist und die Quelle benannt (verlinkt) wird.
Zurück zur Übersicht
Info.