Donnerstag, 18.04.2019 19:19 Uhr

Heute vor 75 Jahren: Einmarsch der Wehrmacht in Ungarn

Verantwortlicher Autor: Tamás György Morvay Budapest, 19.03.2019, 14:49 Uhr
Presse-Ressort von: Tamás Morvay Bericht 4774x gelesen

Budapest [ENA] Am 19. März 1944 beendete die deutsche Wehrmacht alle eigenmächtigen Eskapaden des Reichsverwesers Adm. Horthy, welcher die Geschicke des Rumpfstaates Ungarn - entstanden aus dem Vertrag von Trianon - in der Zwischenkriegszeit lenkte. Für die Juden in Ungarn war es der Anfang vom Ende: an die halbe Million von ihnen überlebten den Krieg nicht, wurden in die Lager verschleppt und barbarisch ermordet.

Mit jenem Tag begann auch das Wirken des Obersturmbannführrs der SS, Adolph Eichmann. Der Mann, Protokollführer der Wannsee-Konferenz, und später von Hannah Arendt als Darsteller der Banalität des Bösen bezeichnet, machte sich vom ersten Tag an die Arbeit: Ghettoisierung und Erfassung der Juden in den Städten und auf dem Lande, und später der Generalsstab-mässig organisierte Abtransport dieser Menschen in die Vernichtungslager, in erster Linie nach Auschwitz. Die gleichen Leute, die bereits 1942 meinen Vater, vor der ungarischen Armee an die Ostfront trieben, als menschliche Minenräumer und als Kanonenfutter buchstäblich verwendeten, standen nun hämisch grinsend am Strassenrand, als die Familie meiner Mutter abtransportiert wurde.

Für meine Mutter zerfiel in jenen Tagen ihr Leben in zwei voneinander, fast wasserdicht, abgetrennte Abschnitte. Am 13. Juni1944 stand sie angsterfüllt an der Rampe von Auschwitz, und sah ihre Eltern zum letzten Mal. Auschwitz, Bergen-Belsen und am Schluss Theresienstadt waren die Stationen ihres Leidenswegs. Dass es ihr und meinem Vater nach dem Krieg gelang, echte Liebe zu finden, die in eine Partnerschaft von 67 Jahren führte, dass sie es schafften, trotz aller Schwierigkeiten, den Fortbestand der Familie zu sichern, und so lange weiter zu probieren, bis ich „endlich, nach 9 Jahren“ da war, dass sie aus dem kleinen Wurm (mir) einen lebensbejahenden Menschen machten, ist das wahre Wunder, auch meines Lebens.

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