Donnerstag, 24.05.2018 23:40 Uhr

Es darf wieder auf den Juden eingeschlagen werden

Verantwortlicher Autor: Tamás György Morvay München, 23.02.2018, 11:37 Uhr
Presse-Ressort von: Tamás Morvay Bericht 5467x gelesen

München [ENA] Bei der Münchner Sicherheitskonferenz (MSC) hat sich am vergangenen Samstag ein Skandal ereignet, dem die mediale Aufmerksamkeit bisher nur teilweise gerecht geworden ist. Besonders bedauerlich dabei ist das Abseitsstehen des Veranstalters, der bisher keinerlei Anstalten macht, adäquat auf die Vorkommnisse einzugehen: die Pressestelle betont die Unabhängigkeit des MSC. Das darf nicht unwidersprochen bleiben!

Es ist mucksmäuschenstill im Saal, als der israelische Journalist Ronen Bergman das Schicksal seiner aus Polen stammenden Familie im Zweiten Weltkrieg schildert. Er verweist auf die zahlreichen Polen, die Landsleute an die Deutschen denunzierten, welche polnische Juden versteckten. Auf ein neues, von der polnischen Regierung eingeführten Gesetz abzielend fragt Ronen den polnischen Ministerpräsidenten, ob er sich nun eines Verbrechens schuldig machte, wenn er hierüber berichtete. Die erste, kurze Antwort des Polen, das wäre nicht der Fall, ist ermutigend. Morawieczki fährt jedoch fort, holt aus und stellt dabei die deutschen Massenmörder auf eine Stufe mit "jüdischen Tätern", womit er vermutlich die Judenräte meint.

Der Begriff Judenrat bezeichnet dabei eine Zwangskörperschaft, den Gestapo und SS geschaffen haben, und zwar entweder für ein einzelnes Ghetto oder für eine ganze Region. Ihre Mitglieder waren zwangsweise verpflichtete Juden. Die ersten Judenräte entstanden bereits 1939 während des Polenfeldzugs. Zu ihren Hauptaufgaben gehörte die Erfassung der jüdischen Bevölkerung, aber auch die Räumung und Übergabe von Wohnungen von Juden sowie die Verpflichtung von Zwangsarbeitern, die an die Deutschen übergeben wurden. Wer sich weigerte, wurde erschossen oder selbst in Konzentrationslager deportiert. An ihre Stelle wurde durch die Besatzer ein anderer ernannt.

Unter diesen Umständen von Tätern zu sprechen, spottet der Wirklichkeit. Dennoch widersprach niemand, auch der Moderator, der oberste Verantwortliche des MSC, Botschafter Wolfgang Ischinger, nicht. In einer Stellungnahe dazu sagt die Pressestelle, die "Münchner Sicherheitskonferenz distanziert sich von Haß, Rassismus und Nationalismus. [...] Die MSC selbst kommentiert Aussagen von Rednern oder Panelisten grundsätzlich nicht. Dies zu tun, ist Aufgabe der über 500 hochrangigen eingeladenen Teilnehmer sowie der zahlreichen anwesenden Medienvertreter." Hört sich sicherlich gut an, ist dennoch ungenügend und anmassend: damit wird nicht nur die eigene Unterlassung verharmlost, aus dem nachfragenden Journalisten wird implizit ein Mittäter!

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