Dienstag, 16.01.2018 15:54 Uhr

Entgleisungen in Berlin - wo leben wir eigentlich?

Verantwortlicher Autor: Tamás György Morvay Berlin, 11.12.2017, 12:42 Uhr
Presse-Ressort von: Tamás Morvay Bericht 5632x gelesen

Berlin [ENA] Es ist schon eine spektakuläre Kulisse, der Pariser Platz, vor dem Brandenburger Tor in Berlin. Das wusste auch Ronald Reagan, der an dieser Stelle seine Aufforderung an Mikhail Gorbatschow erliess, die damals Europa teilende Mauer nieder zu reissen. Und davor, zu Beginn des dunkelsten Kapitels deutscher Geschichte, liess ein anderer Kanzler seine Schlägertrupps mit Fackeln hier aufmarschieren. Und nun dies!

Knapp 2 Tage nach der Erklärung des aktuellen US-Präsidenten Donald Trump, in der er Jerusalem als Hauptstadt Israels anerkannte und den Prozess für die Verlegung der amerikanischen Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem in die Wege leiten liess, demonstrierten Anhänger der palästinensischen Araber vor dem Brandenburger Tor. Nach manchen Quellen waren es sowohl arabisch-, wie auch türkisch-stämmige Menschen, angeblich gar auch syrische Flüchtlinge dabei, jedenfalls waren neben der palästinensischen, auch türkische und syrische Flaggen sichtbar. Man sah auch weisse Tücher mit blau aufgemalten Davidsternen, bevor diese demonstrativ verbrannt wurden.

Diese „Aktionen“ wurden begleitet von martialischen Ausrufen, in denen die „Yahud“ - so die arabische Bezeichnung für Juden, an die Schlacht von Khaibar erinnert wurden. Im Jahr 638 zogen Truppen des Propheten Mohammed nach Khaibar, wo sie sich einen monatelangen Kampf mit jüdischen Truppen der Stadt lieferten, an dessen Ende die Juden vertrieben und ihre Frauen und Töchter gefangen genommen wurden. Eine wurde gar mit Mohammed zwangsverheiratet. Vor diesem Kontext kann man diese Aspekte der Demonstration kaum anders denn als antisemitisch bezeichnen, wurde doch eine Religionsgemeinschaft pauschal für die Erklärung des Führers eines Drittlandes verantwortlich gemacht.

Es ist, angesichts dieser Sachlage, äusserst bedauernswert, dass die Berliner Polizei anschliessend von einer Veranstaltung „ohne grössere Störungen“ sprach, bei der allerdings bis zu 450 Beamte vor Ort waren. Und noch bedenklicher ist das bis jetzt anhaltende Schweigen der Bundesregierung. Wie kann es sein, dass die selben Stellen, die seit letzten Mittwoch unaufhörlich Kritik an den amerikanischen Präsidenten äussern, keine Worte finden, wenn an diesem geschichtsträchtigen Ort antisemitische Parolen ertönen und Judensterne abgefackelt werden? Frau Bundeskanzlerin Merkel, Herr Aussenminister Gabriel, oder auch Herr Regierungssprecher Seibert, warum schweigen Sie angesichts so unerhörter Vorgänge? Nochmal: es geht um Juden, nicht Israel!

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