Dienstag, 12.12.2017 07:09 Uhr

Die Balfour-Deklaration als Meilenstein zum Staat Israel

Verantwortlicher Autor: Tamás György Morvay London/Jerusalem, 30.10.2017, 20:31 Uhr
Presse-Ressort von: Tamás Morvay Bericht 4823x gelesen

London/Jerusalem [ENA] Am 2. November 2017 jährt sich ein Ereignis zum 100. Male, das in der historischen Betrachtung zu Recht als Meilenstein angesehen wird. War es doch anlässlich des ersten Zionistenkongresses im Jahr 1897 in Basel, dass Theodor Herzl seinem Tagebuch anvertraute: „In Basel habe ich den Judenstaat gegründet ... in 50 Jahren wird es jeder einsehen.“ Die Balfour-Deklaration von 1917 war dabei eine wichtige Wegmarke.

Der Wissenschafter Chaim Weizmann - später Israels erster Staatspräsident - engagierte sich schon früh in der Zionistenbewegung: er gilt als einer der frühesten Verfechter der Vereinigung des Staatsgedankens und der Besiedelung des damaligen Palästina, zu den beiden Grundpfeilern des politischen Zionismus. Anekdotisch ist seine erste Unterhaltung mit Arthur Balfour im Jahr 1906 überliefert, wo Weizmann seine Ablehnung des britischen Ugandaplanes (Ansiedlung der Juden im afrikanischen Uganda) begründete. „Stellen Sie sich vor“ - so Weizmann - „Ihnen würde anstelle von London, Paris angeboten.“ Auf Balfours Einwand, England besässe schon London, meinte Weizmann trocken: „Wir hatten Jerusalem schon, als London noch ein Sumpfgebiet war.“

Englands strategische Interessen im Nahen Osten waren durch die beiden Hauptströmungen im Foreign Office, als Arabisten (Schutz des Suezkanals) und Orientalisten (Verbindung zu Indien) geprägt. Während die Arabisten den Sheriff von Mekka hofierten, setzten die Orientalisten zunehmend auf die Zionisten. Erstere schickten T.E. Lawrence, der mit dem Scheriff von Mekka und seinen Söhnen eine arabische Revolte anzuzetteln suchte, wofür ihnen ein Königreich von Britanniens Gnaden in Aussicht gestellt wurde. Die zweite Gruppe sandte den Parlamentsabgeordneten Sir Mark Sykes - auch bekannt als Autor des kolonialen Sykes-Picot-Abkommens, der Aufteilung der Türken-Gebiete nach dem Sieg - welcher die Kontakte zu den Zionisten einfädelte und pflegte.

Die Vorarbeiten zur Balfour-Deklaration dauerten das ganze Jahr 1917 über, während parallel dazu Englands Armeen - unterstützt durch die australischen und neuseeländischen ANZAC Truppen, aber auch durch eine jüdische Brigade - durch die Sinai-Halbinsel gegen Palästina vorrückten. Während der erste Entwurf noch von der jüdischen Staat gesprochen hatte, für den sich England aussprach, war in der definitiven Fassung nur noch ein Bekenntnis zur wohlwollenden Betrachtung der „Errichtung einer jüdischen Heimstätte“ die Rede. Die Deklaration wurde in der Form eines Briefes, von Balfour an Lord Rothschild, abgegeben. Eine Woche später wurde das Bekenntnis durch eine Veröffentlichung in der Times of London publik gemacht.

Völkerrechtliche Bedeutung erlangte die Deklaration durch ihre Aufnahme in den Versailler Friedensvertrag zwischen den Siegermächten und der Türkei, ebenso wie in das Völkerbundsmandat an England, als dessen Vorläufer die Konferenz von San Remo (1920) und das Abkommen von Lausanne (1924) gelten. Durch die Übernahme vorangegangenen Rechtes durch die UNO - Artikel 80ff der UN-Charta - hat die Balfour-Deklaration bis heute nichts von ihrer Gültigkeit eingebüsst und stellt bis zum heutigen Tag die völkerrechtlich verbindliche Basis für den Staat Israel dar. Dies im Gegensatz etwa zum UN-Teilungsplan von 1947 und den Entschliessungen des UN-Sicherheitsrates 224 (1967) und 338 (1973), die kein international geltendes Recht begründen.

An die gut 20 Jahre dauernde Zeit des Völkerbundsmandats denken weder Juden noch Araber in Palästina gerne zurück. Die Mandatsmacht konnte weder dem in der Balfour-Deklaration erklärten „Wohlwollen“ nachleben, mit der sie der Errichtung einer jüdischen Heimstätte verpflichtet gewesen wäre, noch mochte sie ihre Versprechen an die Araber erfüllen. Zwei Weissbücher, einer Untersuchungs-Kommission und, nicht zuletzt, einen Weltkrieg später, in dessen Verlauf ein grosser Teil des europäischen Judentums ermordet wurde, für die die Deklaration durch die Zionisten er, gab sie ihr Mandat an die UNO zurück und empfahl eine Teilung des Gebiets. Ein Versagen auf der ganzen Linie, welche wohl zurecht als Perfidie Albions angesehen wurde!

Für den Artikel ist der Verfasser verantwortlich, dem auch das Urheberrecht obliegt. Redaktionelle Inhalte von European-News-Agency können auf anderen Webseiten zitiert werden, wenn das Zitat maximal 5% des Gesamt-Textes ausmacht, als solches gekennzeichnet ist und die Quelle benannt (verlinkt) wird.
Zurück zur Übersicht
Info.