Donnerstag, 07.07.2022 09:24 Uhr

Die "Alte Tante" und die Geschichte des Nahen Ostens

Verantwortlicher Autor: Tamás György Morvay Zürich, 25.01.2022, 09:35 Uhr
Presse-Ressort von: Tamás Morvay Bericht 6251x gelesen

Zürich [ENA] Wüsste man es nicht besser und wäre man naiv genug, könnte man alles, rein theoretisch, als Wissensdefizit abbuchen. Nur – es steht einer Zeitung vom Format der Neuen Zürcher Zeitung schlecht an, über Jahrzehnte sich an ihren Wissensdefiziten festzuklammern. Also muss es was anderes sein, wenn Korrespondent um Korrespondent ewig dasselbe Halbwissen rausposaunt. Von einer löblichen Ausnahme abgesehen, alle verblendet.

Schon der erste Absatz definiert den Tenor und die Marschrichtung: „Die politische Grenze zwischen Israel und Palästina nachzuvollziehen, ist eine grosse Herausforderung. Denn punktgenaue räumliche Daten fehlen weitestgehend.“ Klar, besonders schwer ist es auch, wenn man es vermeiden will, von den jüdischen Königen Saul, David oder Salomon sprechen zu müssen, ebenso will man offenbar das Königreich Israel nicht erwähnen, nicht einmal nach dessen Aufspaltung in Israel und Judah – historische Begriffe, nicht „biblische Überlieferung“. Es fehlt also jeglicher Hinweis darauf, dass König David Jerusalem zu seiner Hauptstadt erkor, und das König Salomon hier den Ersten Tempel errichten liess.

Auch die Rückkehr aus der babylonischen Gefangenschaft, die Errichtung des Zweiten Tempels werden ausgeklammert. Die Erzählung springt direkt zu den Römern: "Gemäss biblischer Überlieferung lebten dort bereits während der Bronzezeit jüdische Stämme. Nach wechselnden Herrschaften wird Palästina 63 v. Chr. Teil des Römischen Reiches. Die Juden werden vertrieben. Für viele ist Palästina bis heute Eretz Israel («Land Israel»), ihr gelobtes Land." Es ist zu vermuten, dass man diese Verkürzung braucht, um endlich den Begriff „Palästina“ einzuführen, ohne einen Hinweis darauf, dass dieser Terminus eben eine römische Erfindung war, um nach der Vertreibung der Juden jeglichen Bezug auf den historischen Begriff „Israel“ aus dem Bewusstsein zu tilgen.

"Um 660 wird Palästina Teil des Herrschaftsgebiets der Umayyaden-Dynastie. Zum ersten Mal leben dort neben Juden und Christen auch Muslime." Nun ja, damit muss man weder erklären, wie Christentum und Islam entstanden sind. Elegant umgeht man zugleich damit das explizite Eingeständnis, dass die Juden während der zweitausend Jahre dauernden Diaspora, weder komplett aus zB. Jerusalem verschwunden waren, noch je davon abliessen, von einer Rückkehr hierhin zu träumen. Dass der Schrein, in der in jeder Synagoge die Tora-Rolle aufbewahrt wird, nach Osten, also in Richtung Jerusalems ausgerichtet ist, verwirrt doch nur.

"Der Beginn des politischen Zionismus – Der heutige Konflikt um Palästina fängt Ende des 19. Jahrhunderts an. In dieser Zeit nimmt in Osteuropa der Antisemitismus zu." Was für eine Falschheit! Theodor Herzl schrieb den „Judenstaat“ unter dem Eindruck der Dreyfus-Affäre in Frankreich. Das brachte ihn zur Überzeugung, dass Juden einen eigenen Staat haben müssten, weil sie nirgends wirklich akzeptiert sind. Nicht der politische Zionismus hatte seinen Ursprung in den Pogromen im Osten, gegebenenfalls die sog. „Erste Aliyah“. Der Begriff bedeutet auf Deutsch übrigens „Heimkehr“.

Auch das unterschlagen die Autoren – sicherlich nur, um nicht von dem abzulenken, was sie für das „Wesentliche“ halten: der Leserschaft fälschlicherweise vorzumachen, es hätte jemals ein „Palästina“ als politische Einheit gegeben, und zwar seit der Zeit der Römer in Eretz Yisrael: "Für viele ist Palästina bis heute Eretz Israel («Land Israel»), ihr gelobtes Land." Naja, wenn man die Bibel nicht kennt, mag man das so sehen. Für alle anderen ist jedoch das Land Israel das von Gott an Moses gegebene Versprechen, seinem auserwählten Volk eine Heimat zu geben. Und nicht der Begründer des Polltischen Zionismus, der ungarisch-österreichische Journalist Theodor Herzl sah das so, sondern Wladimir Ze‘ev Jabotinsky.

"1917 spricht sich der britische Aussenminister Arthur Balfour in einer Deklaration zugunsten einer nationalen Heimstätte für die Juden auf dem Gebiet Palästinas aus – die erste Anerkennung der jüdischen Nationalstaatsidee seitens einer europäischen Grossmacht." Auch das ist falsch, oder zumindest fahrlässig ungenau: der Wortlaut der Balfour-Deklaration macht sowohl klar, dass es die „Regierung seiner Majestät“ ist, und nicht nur der Aussenminister, der die Zusage abgibt; ebenso deutlich spricht das Schreiben von einer Heimstätte, aber nicht von einem Staat – gewollt und bewusst!

"Palästina steht nun genau wie Transjordanien und der Irak unter britischem Mandat. Palästina wird also nicht, wie 1915 versprochen, ein arabischer Staat. Viele Araber werfen den Briten den Bruch ihres Versprechens vor." Doch nicht nur „viele Araber“, es ist das historische Urteil über die Briten und ihr Verhalten in dieser Sache. Das Mandat, das der Völkerbund Grossbritannien zwischen 1920-24 übergibt, zitiert tatsächlich die Balfour-Deklaration in ihrer Gesamtheit – also auch die Einschränkung enthaltend, dass vorbestellende Rechte anderer Gruppen im Gebiet nicht berührt werden. Allerdings, zum Zeitpunkt des Völkerbund-Beschlusses hat Grossbritannien längst angefangen, Rückzieher zu machen.

"Im britischen Mandatsgebiet Palästina nehmen die Spannungen zwischen Juden und Arabern zu. Es kommt zu gewalttätigen Auseinandersetzungen, die Hunderte von Toten fordern. Eine britische Untersuchungskommission kommt 1937 zu dem Schluss, dass die Teilung des Landes in einen arabischen und einen jüdischen Staat der einzige mögliche Weg zum Frieden ist: «Die Aufteilung des Staats bietet eine Chance auf endgültigen Frieden. Das tut kein anderer Plan.»" An dieser Stelle wäre es vielleicht angebracht gewesen zu fragen, ob es nicht ein erstes arabisch-nationales Erwachen gab, das sich – weil sie es nicht besser wussten – durch Aufstände und durch Terror gegen die Juden sowie den gemeinsamen Feind Grossbritannien Gehör zu verschaffen versuchte.

Was hier euphemistisch „Spannungen“ betitelt wird, sind in Tat und Wahrheit Terroranschläge, welche es bereits als vereinzelte Ereignisse im ausgehenden 19. Jahrhundert gab. Damals merkten die arabischen Fellachen, dass der Boden, den sie zumeist nur als Dorf-gemeinschaftliche Pächter bewirtschafteten, durch die Juden von Steinwüsten in urbares Land verwandelt worden sind. Und zwar unter persönlichen Opfern, zu denen die Araber zumeist nicht bereit gewesen sind, oder aber zumindest nicht verhindern konnten, dass die sog. „Absentee Landlords“, die ihrerseits in Damaskus oder Istanbul wohnten, an die jüdischen Einwanderer verkauften.

"Die arabischen Staaten und die Palästinenser lehnen den Teilungsplan ab. Sie sind gegen jegliche zionistische Bemühungen und erklären den Plan für ungültig, weil er gegen das Recht der Mehrheitsbevölkerung verstosse." Fast schon bewundernswert, mit welcher Leichtigkeit den Autoren das Wort „Palästinenser“ aus der Textverarbeitung springt. Nicht, dass es den Begriff nicht gegeben hätte – allerdings wollte kaum ein im Gebiet ansässiger Araber damals so bezeichnet werden. Weder die Zeitung Palestine Post, noch die Währung Palestine Pound waren Dinge, mit welchen sich Araber identifiziert hätten. Palästinenser waren in der damaligen Zeit die Juden, zumindest dem allgemeinen Sprachgebrauch nach.

"Im Verlauf des Kriegs verschieben sich die Grenzen des Uno-Teilungsplanes zugunsten Israels." Grenzen, im Sinne des Völkerrechts, kann es gar nicht geben, denn bekanntlich haben die Araber den Teilungsplan abgelehnt. Der in Israel als Unabhängigkeitskrieg bezeichnete Waffengang endete mit Waffenstillstandsabkommen zwischen Israel auf der einen, und – der Reihe nach – Ägypten, Jordanien und Syrien auf der anderen Seite. Aufgrund der Tintenfarbe, mit der er in die jeweiligen Karten gezogen wurde, ist er als „Grüne Linie“ bekannt geworden. Die Grenzziehung zwischen einem Palästinenserstaat und Israel ist bis heute eine Autoren also den Begriff Grenze verwenden, wollen sie dem Leser etwas vormachen, was nicht ist.

"Mehr als 700 000 Palästinenser müssen fliehen oder werden vertrieben. Etwa genauso viele Juden werden zur Flucht aus arabischen Ländern gezwungen. Die palästinensischen Flüchtlinge leben fortan in Lagern der Diaspora, beispielsweise in Jordanien, Syrien und Libanon." Nicht einmal der einzige noch heute „existierende“ sog. Neue Historiker, Ilan Pappe, hält noch an der Fiktion der vertriebenen palästinensischen Araber fest. Wer eine realistische Einschätzung zu diesem Thema lesen möchte, möge das Buch eines anderen, ebenfalls den Neuen Historikern zugerechneten, Benny Morris lesen: Rightous Vitims".

Zudem: den Begriff Diaspora in diesem Zusammenhang für die, von ihren eigenen „Brüdern und Schwestern“ bis heute in Lagern gehaltenen arabischen Geflohenen – mittlerweile in der fünften Generation – zu verwenden, braucht schon eine gehörige Portion „Chutzpeh“! Dabei auch noch „auszuklammern“, dass in Israel selbst zwei Millionen Araber leben, dass sie im israelischen Parlament sitzen und ihre Reden dabei auf arabisch halten – würde es wirklich zu weit führen, das zu erwähnen? Das sind die wichtigsten Kritikpunkte, welche an dieser Stelle gegenüber den Machern erhoben werden. Damit leistet die NZZ einen aktiven Beitrag zur Förderung des Judenhasses. Sie selbst würden sich natürlich damit herausreden, dass sie nur eine Stimmung wiedergeben.

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