Dienstag, 24.04.2018 02:34 Uhr

Der Opfer gedenkend, die traurige Gegenwart im Blick

Verantwortlicher Autor: Tamás György Morvay Zürich, 30.01.2018, 10:39 Uhr
Presse-Ressort von: Tamás Morvay Bericht 5548x gelesen
Gut gefüllter Kinosaal, für einen Samstagvormittag
Gut gefüllter Kinosaal, für einen Samstagvormittag  Bild: Tamás György Morvay

Zürich [ENA] Am Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust, jährlich am 27. Januar - dem Tag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz - begangen, kamen etwa 60 Leute ins Kulturzentrum Kosmos in Zürich. Gezeigt wurde der Film "Ende der Erinnerung?" von Peter Scheiner. Darauf folgte ein Podiumsgespräch.

Der Streifen, mit dem der Schweizer Dokumentarfilmer Peter Scheiner der "Kontaktstelle für die Überlebenden des Holocaust in der Schweiz" ein Denkmal setzte, wurde an dieser Stelle vor knapp einem Jahr vorgestellt. Zur Würdigung des Films gehörte damals schon der Aktualitätsbezug, der Blick auf die heutige Wirklichkeit, die Beschäftigung mit dem Antisemitismus unserer Tage, und dem Stand der Aufarbeiteung der jüngeren Schweizer Geschichte. Im Film steht dafür die Aussage einer der Überlebenden, Gabor Hirsch: "Wir wurden mehr oder weniger totgeschwiegen." Dass sich daran auch im Jahr der Schweizer Präsidentschaft im International Holocaust Remambrance Alliance wenig geändert hat, wurde im Gespräch deutlich.

Am Vortag erst wurde im Jüdischen Wochenmagan "Tachles" ein Vertreter des Schweizer Aussendepartments mit der Aussage zitiert, dem Film sei die finanzielle Unterstützung verwehrt geblieben, weil er "nichts Neues" gebracht hätte. Eine Behauptung, der von beiden Teilnehmern, bei aller diplomatischen Zurückhaltung, widersprochen wurde. Philip van den Berg leitete bereits in seinem Eingangsstatement, anhand von Bibelzitaten, den bis heute zu wenig beachteten antijüdischen Unterton christlicher Kirchen her. Timotheus Bruderer machte deutlich, wie sehr "Anti-Israel", gerade auch in der Schweizer politischen Landschaft, lediglich eine neue Variante des fortbestehenden Antisemitismus ist.

Der Einbezug des Publikums brachte in der Hauptsache weitere Statements. Herausragendes Thema war hierbei die im Filmtitel aufgeworfene Frage, wie die Überlieferung der geschichtlichen Ereignisse, nach dem Ableben der Zeitzeugen, zu bewerkstelligen ist. Dabei geriet die offizielle Schweiz deutlich in die Kritik: ein fehlendes Denkmal für die an der Grenze in den sicheren Tod zurückgewiesenen Juden, das mangelnde Engagement des EDA im Rahmen der IHRA-Präsidentschaft wurden angesprochen. Die Fokussierung auf die Lebensleistungen der Überlebenden, welche der Film ebenfalls deutlich benannt hatte, wurde als Auftrag an künftige Generationen herausgestrichen. Im Anschluss sass man noch bis in den Nachmittag im Bistro bei Gesprächen zusammen.

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