Dienstag, 22.05.2018 21:29 Uhr

Das moderne Israel wird 70

Verantwortlicher Autor: Tamás György Morvay Jerusalem, 18.04.2018, 12:22 Uhr
Presse-Ressort von: Tamás Morvay Bericht 4351x gelesen

Jerusalem [ENA] Wenn am heutigen Abend auf dem Herzlberg 13 Fackeln feierlich entzündet werden, beginnt damit im hebräischen Kalender der Tag, an dem Juden im In- und Ausland der 70. Wiederkehr der Verlesung der Unabhängigkeitserklärung gedenken. Er ist von hoher Symbolik, folgt doch der Tag unmittelbar auf den Gedenktag an die in kriegerischer Auseinandersetzungen Gefallenen und Terroropfer.

Israel ist insgesamt fünfzig mal 70 Jahre alt. Insofern ist die heutige Feier ein kleiner Schritt in der von Verfolgung und Opfern reichen Geschichte der Juden. Die Fackeln symbolisieren die 12 Stämme Israels, die Ehre sie zu entzünden, kommt ausgewählten Personen zugute, deren besondere Leistungen damit gewürdigt werden. Die 13. Fackel wird in diesem Jahr vom aktuellen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu entfacht, in Erinnerung an alle vorangegangenen Regierungen des modernen Staates. Wie die anderen Geehrten, wird auch der Regierungschef ein Grusswort an die Gäste richten. Dies ist der erzielte Kompromiss in einem unschönen Streit der entbrannte, da traditionell nur der Parlamentspräsident an der Feier gesprochen hatte.

«Nächstes Jahr in Jerusalem» ist eine uralte Losung, den Juden am Ende des ersten Abends von Pessach sprechen. Sie ist auch die Losung der Zionistenbewegung, die den Traum der Rückkehr in einen «Judenstaat» - so der Titel einer Schrift von Theodor Herzl – zu verwirklichen trachten. Für viele Überlebende waren die sechs Millionen ermordeten Juden im Holocaust der Preis, den das Judentum für die Erfüllung dieses Traumes bezahlen musste. Für manchen europäischen Juden der heutigen Zeit wird es angesichts der zunehmenden antisemitischen Vorkommnisse – egal ob von islamistischen Fanatikern oder von sog. Rechtsnationalen verübt – erneut schwierig daran zu glauben, dass sie hier sicher sind und eine Zukunft haben sollen.

Die ersten Zuwanderer – in ihrer Mehrzahl Flüchtlinge vor den Pogromen in den Schtetl Ost-Mitteleuropas – haben in landwirtschaftlichen Kommunen die Sümpfe trockengelegt und den Boden urbar gemacht. Die nach ihnen kamen, begründeten moderne Siedlungen an den historischen Orten und sie tun es heute noch, indem sie in Judäa & Samarien – dem jüdischen Kernland, das die jordanischen Eroberer nach dem Krieg 1948-49 «Westbank» tauften – sich ansiedeln. Manche aus politischen oder religiösen Gründen, andere aus schierer wirtschaftlicher Not, denn bezahlbarer Wohnraum ist auch in Israels modernen Städten, die sich in ihrem Erscheinungsbild kaum von anderen westlichen Metropolen unterscheiden, selten geworden.

Israel gedeiht heute, es hat sich zu einem technologischen Weltmarkt-Führer entwickelt. Sie wird nicht nur im Inland die «Start-Up»-Nation genannt. Und das, obwohl nach wie vor ein grosser Teil des Volksvermögens in der Kriegswirtschaft gebunden ist. Mit Ägypten und Jordanien herrscht zwar ein «Kalter Frieden». Doch an Israels Aussengrenzen versammeln sich – eine traurige Konstante der 70 Jahre – bis heute ihre Feinde: Syrien und Libanon weigern sich bis dato, das Existenzrecht des jüdischen Staates anzuerkennen. Der Iran der Mullahs hat den Jihad auf ihre Fahnen geschrieben und befindet sich, nicht nur durch Stellvertreter wie Hezbollah oder Hamas, sondern auch mit den Islamischen Revolutionären Garden, in unmittelbarer Nachbarschaft.

Doch, wer durch die Strassen von Jerusalem geht, wer sich entlang der Strandpromenade in Tel Aviv in einem der zahlreichen Cafés an einen Tisch setzt, wird von den Bedrohungen nichts merken. Die Israeli gehen zwar aufmerksam aber ohne Furcht ihren alltäglichen Beschäftigungen nach. Gemäss einer aktuellen Untersuchung belegen Israeli den 11. Rang unter den glücklichsten Länder der Welt. Das ist nicht nur mediterran, es ist eine spezifisch jüdische Geisteshaltung, sofern es so etwas überhaupt gibt. Nach jedem Rückschlg, nach jeder Tragödie, ob persönlich oder im Kollektiv, stehen Juden auf. Sie mögen trauern, wie jeder andere Mensch, doch danach gestalten sie ihr Leben weiter. Wie sie sagen: Am Yisrael Chai - das Volks Israels lebt!

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