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Ausstellung: Letzte Holocaust-Überlebende in der Schweiz

Verantwortlicher Autor: Tamás György Morvay Zürich, 03.05.2017, 17:52 Uhr
Presse-Ressort von: Tamás Morvay Bericht 5380x gelesen

Zürich [ENA] Die Schweiz hat im März 2017 den Vorsitz in der International Holocaust Rebembrance Association übernommen. Im Rahmen dieser Präsidentschaft bildet nun die Wanderausstellung "The Last Swiss Holocaust Survivors" den Auftakt zu einer Reihe von Veranstaltungen am Zürcher Archiv für Zeitgeschichte. Die von einer privaten Trägerschaft konzipierte Ausstellung zeigt insbesondere in Videos und in Porträtaufnahmen Zeitzeugen.

Vor knapp 70 Jahren kamen einige wenige, zumeist schwer traumatisierte, Menschen aus den Konzentrationslagern zurück. Wie der Leiter des Archivs für Zeitgeschichte, Dr. Gregor Spuhler, während der ersten öffentlichen Führung durch die Ausstellung sagt: "Der Holocaust hat bei allen diesen Menschen Spuren hinterlassen. Doch in den Bildern, die ihre Gesichter zeigen, sind diese Spuren unsichtbar." Sie kamen buchstäblich zurück ins Leben, sie fanden einen Weg weiter zu leben. Sie absolvierten Schule und Ausbildung, wurden wurden Unternehmer, Hochschullehrer, Künstler - und auch stolze Eltern und Grosseltern. Sie lebten und leben mit der Erinnerung. Und sie wollen Zeugnis ablegen, im Zeichen der Losung "Nie vergessen!".

Dank moderner Technik können sie dies heute auch in Bild und Ton: der mehrfach prämierte Fotograf Beat Mumenthaler und der Regisseur Erik Bergkraut haben ihre Bilder festgehalten, verliehen den Worten und Gedanken Ausdruck. Die Gamaraal Foundation fasst diese Zeitdokumente in der gezeigten Ausstellung zusammen. Für die je etwa 10-minütigen Video-Präsentationen brachten alle vierzehn Porträtierten ihre Geschichte ein. Dass die Erinnerung im Zeitablauf verblassen würde, davon war keine Spur zu sehen. Eher erhält der Betrachter den gegenteiligen Eindruck, dass die Erinnerung im Alter noch belastender wird.

Beispielhaft dafür ist die Schilderung einer Überlebenden, die beschreibt, dass von den etwa 1,000 Menschen, die im Rahmen eines Transports in Viehwaggons verfrachtet in die Konzentrationslager gekarrt wurden, im Schnitt 36 überlebt haben. Die meisten Opfer wurden sogleich nach der Ankunft oder in weiteren "Selektionen" ermordet, die anderen starben im grausamen Lageralltag. Das Unvorstellbare erhält durch diese Worte zwar eine Darstellung, und auf diese Weise hat jede Überlebende eine Geschichte zu erzählen. Aber begreifen fällt schwer. Es wird hier offenbar, wie wenig ausreichend der Abstand von 70 Jahren doch ist, um verstehen zu lernen. So fragt manche der Erzählenden auch: "Warum ich?" Die selbst gegebene Antwort: "Zufall!"

Der Holocaust, in der Beschreibung der Ausstellung als der Zivilisationsbruch und "unbegreiflicher Klotz in der Geschichte des 20. Jahrhunderts" bezeichnet, soll durch die Berichte dieser Menschen "anschaulich und konkret" werden. Der Auftrag an die Historiker zu erklären, beginnt mit zuhören. Dazu gibt die Wander-Ausstellung, die in den nächsen Monaten auch in anderen Landesteilen gezeigt werden soll, sehr viel Gelegenheit. Damit bildet sie die notwendige Grundlage für den geschichtlichen Auftrag, das Geschehene zu deuten und einzuordnen. Dass dies würdevoll und zugleich mit Klarheit geschieht, ist das herausragende Merkmal dieser Ausstellung.

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