Freitag, 21.07.2017 06:23 Uhr

Antisemitismus und die BDS-Bewegung

Verantwortlicher Autor: Tamás György Morvay Zürich, 06.07.2017, 12:06 Uhr
Presse-Ressort von: Tamás Morvay Bericht 2694x gelesen
Demonstration vor dem Veranstaltungsort
Demonstration vor dem Veranstaltungsort  Bild: Tamás György Morvay

Zürich [ENA] Bereits eine Stunde vor Beginn der Veranstaltung mit dem Titel "Warum die BDS-Bewegung ein Angriff auf Jüdinnen und Juden ist" formierte sich vor dem Eingang die offensichtlich betroffene lokale BDS-Anhängerschaft, beschützt von mit 4 Kastenwagen bereit stehenden Polizei (nicht im Bild).

Zur Veranstaltung geladen hatte die "Initiative gegen Antisemitismus", angekündigt war die "Darstellung einer kritischen Haltung zur BDS" mit zwei Referenten, deren Namen im thematischen Kontext keiner weiteren Vorstellung bedurften: dem Publizisten Alex Feuerherdt (http://lizaswelt.net) und dem Politikwissenschaftler Sebastian Mohr (http://iibsa.org). Angekündigt waren Referate und eine anschliessende Diskussion.

Beide Referenten erwiesen sich als fundierte Kenner der Materie. Sie erarbeiteten sich die Zustimmung des Publikums im sehr gut gefüllten Gelben Saal des Volkshauses in der Zürcher Innenstadt, durch Detailkenntnis und überzeugender Formulierung der Argumente. Feuerherdt entlarvte die Arbeitsweise der BDS als mit Jahrhunderte alten antijüdischen Klischees operierenden, besonders auf eine europäische Zuhörerschaft zugeschnittenen Demagogie. Eindrücklich auch die Darstellung, wie in ähnlicher Weise - durch die Verwendung einer im arabischen Raum beliebten Comic-Figur im Logo der BDS-Bewegung - diese Klientele ebenfalls eingenommen werden soll. Erschreckend, wie mit bekannten Methoden aus dunklen Zeiten Gegner mundtot gemacht werden.

Mohrs Referat befasste sich mit den Methoden der BDS-Bewegung. Beispielhaft nannte er etwa die in jüngerer Vergangenheit durch deutsche Städte ziehenden, mit weissen Überkleidern bewandeten "Inspektoren", welche die Einhaltung einer von der EU-Kommission verabschiedeten besonderen Kennzeichnung von Produkten aus den umstrittenen Gebieten in Judäa und Samaria (sog. "Westbank") in deutschen Geschäften überprüfen sollen. Manchem Zuhörer stockte der Atem, als Mohr bewusst machte, dass etwa mit den Überkleidern wohl auch die Analogie zu einer Seuchen-, oder noch deutlicher, Ungeziefer-Bekämpfung suggeriert werden solle: das gemahnte an die schrecklichsten Kapitel der jüngeren europäischen Geschichte.

Spannend verlief die anschliessende Diskussionsrunde, welche als Fragestunde begann, aber im Zeitverlauf zunehmend zu einer Plattform von Publikumsmeinungen mutierte. Hier zeigte sich, dass wohl einerseits die beiden Referenten "preaching to the converted", mehr den Zuhörern nützliche Argumente mit auf den Weg gaben, als dass noch jemand überzeugt zu werden brauchte. Auch wenn die Kontroverse um den jüngst im WDR ausgestrahlten Film zum Thema nicht explizit zur Sprache kam, so war dennoch die Problematik des linken Antisemitismus ein zentrales Thema, zu der mehrere Votanten sprachen.

Ein weiterer zentraler Diskussionspunkt fokussierte auf die Frage nach der Finanzierung der BDS-Bewegung. Hier wurden auch speziell aus schweizerischer Sicht aufgezeigt, wie Entwicklungshilfegelder, die nach dem Giesskannenprinzip ausgeschüttet werden, Mittel auch für die BDS freimachten - und wie schwierig es sich hierzulande gestaltet, diesen Tendenzen entgegenzuwirken. In ähnliche Richtung ging das Votum eines Publikumsteilnehmers zur Rolle der UNRWA, dem anachronistischen Flüchtlingshilfswerks der UN nur für die "Palästinenser", in deren Schulbüchern auch mit Geldmitteln aus Europa und der Schweiz, antijüdische Ressentiments geschürt werden.

Der Abend ging nach rund zweieinhalb Stunden zu Ende. Zu diesem Zeitpunkt waren die Demonstrierenden vor dem Haus längst nach Hause gegangen, oder sie hatten sich in die einschlägigen Szenenlokale der Umgebung zurückgezogen. Sinnbildlich für die Unmöglichkeit einer Gesprächsführung mit der BDS möge die folgende Begebenheit dienen: postwendend, nachdem das Bild zu diesem Beitrag entstand, löste sich ein Demonstrant aus der Front an der gegenüber liegenden Strassenseite und kam, ebenfalls mit einer Handykamera "bewaffnet", auf den Schreibenden zu, um von diesem ein Bild zu schiessen.

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