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Affäre Meili - nachrichtenlose Gelder in Schweizer Banken

Verantwortlicher Autor: Tamás György Morvay Zürich, 16.08.2018, 12:20 Uhr
Presse-Ressort von: Tamás Morvay Bericht 6430x gelesen

Zürich [ENA] Der damals fast 30-jährige Wachmann Christoph Meili meinte in der Nacht vom 8. Auf den 9. Januar 1997, einem grossen Skandal auf die Spur gekommen zu sein: eine der grössten Banken der Schweiz würde Unterlagen über sog. nachrichtenlose Gelder von Holocaust-Opfern vernichten. Er nahm einige dieser, für den Reisswolf vorgesehenen, Akten zu sich nach Hause und übergab sie jüdischen Organisationen.

Es gab damals bereits dunkle Wolken über dem Bankenhimmel der Schweiz: das renommierte Wall Street Journal veröffentlicht am 21. Juni 1995 einen Beitrag über nachrichtenlose Vermögenswerte im Besitz von führenden Bankinstituten in der Schweiz. Dieser und andere Berichte lösten im Wahljahr 1996 medienwirksame Aktivitäten im US-Kongress aus, insbesondere im Bankenausschuss, geführt durch den New Yorker Senator Alfonse ‘Al’ D’Amato. Dieser, mit Stuart Eizenstat und Ed Fagan wurden er zur Speerspitze der gegen die Schweizer Banken geführten Kampagne. Diesen Beiden wird auch zugeschrieben, den wahrscheinlich einmaligen Vorgang initiiert zu haben, in dessen Rahmen ein Schweizer Bürger, Meili, politisches Asyl in den USA beantragte und erhielt.

Die Schweizer Banken erreichen im Jahr 1998 einen Vergleich über US$ 1.25 Mrd. Auch der Wachmann Meili erhält eine Entschädigung, deren Höhe damals in den Anwaltshonoraren versteckt und nicht bekannt gemacht wird. Der Vergleich ist ein Erfolg des noch jungen Schweizer Diplomaten Thomas Borer, der es in der Folge noch zum Schweizer Botschafter in Berlin, sowie, auch dank seiner glamourösen Gattin, in die Spalten der Boulevardpresse schaffen wird. Christoph Meili kehrt 2009 in die Schweiz zurück, wo er noch heute lebt. Morgen feiert der Dokumentarfilm «Die Affäre Meili» in Zürich Premiere, im Kino Arthouse Le Paris, in Anwesenheit von u.a. Christoph Meili und Thomas Borer, die sich im Anschluss an die Aufführung einer Diskussion stellen.

Am 16. August 2018, um 20:15 Uhr wird Daniel von Aarburgs Film in einer sog. "Director's Cut"-Version im Kino Arthouse Le Paris erstmals öffentlich gezeigt. Im Anschluss an die Vorführung stellt sich zunächst der Regisseur in einem Gespräch vor. Danach diskutieren, unter der Leitung der namhaften Schweizer Moderatorin Ursula Hürzeler, Thomas Borer und Christoph Meili, umrahmt von der Journalistin Gila Blau und dem Präsidenten desSchweizerischen Israelitischen Gemeindebundes, Herbert Winter. Die Premiere kann ebenfalls live übers Internet verfolgt werden, über ein Live-Stream unter https://www.offenerechnungen.ch/events-livestream (Anmeldung mit E-Mailadresse erforderlich).

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