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150 Jahre Kirchenchor Eisfeld

Verantwortlicher Autor: K.-W. Fleißig Eisfeld, 10.07.2018, 11:19 Uhr
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Eisfeld [ENA] Eine „Lange Tafel“ gab es am letzten Freitagabend im Juni auf dem Eisfelder Kirchplatz zwischen alter Schule, welche das Eisfelder Schulmännle ziert, und der evangelisch-lutherischen Dreifaltigkeits-Kirche. Es galt, den 150. Geburtstag des Kirchenchores in Eisfeld zu feiern. „Happy Birthday to you lieber Kirchenchor“ schallte es denn auch gleich zur Begrüßung über den Kirchplatz.

Kein Geringerer als Kirchenmusikdirektor Müller – der Initiator für die Gründung des Eisfelder Kirchenchores – in Person von Pfarrer Bernd Kaiser war erschienen, um seine Glückwünsche zum Geburtstagsjubiläum zu überbringen. Die Gäste stimmten natürlich in den Geburtstagsgesang mit ein. „Heute freuen wir uns sehr, sind angetan und angerührt, dass der Kirchenchor eine so wunderbare Einladung ausgesprochen hat, an Jung und Alt – alle musikalisch begeisterten Menschen sind hier her gerufen um mit euch zusammen euer 150. Jubiläum zu feiern. Drei Kriege hat der Chor überstanden, 1870 und die anderen schlimmen sind uns alle bekannt.“

Trotz unterschiedlicher Regierungsformen hätten sich immer wieder Sängerinnen und Sänger gefunden, die das Banner der Kirchenmusik, das Banner der musikalischen Arbeit des Gesanges, auch des Lobes Gottes hochgehalten haben. „Möge es ein Tag sein, an den wir uns gerne erinnern. Möge es ein Tag sein, wo wir uns in Herz und Mund und Seele gegenseitig auf unterschiedlichster Weise stärken“. Das Wetter an diesem Freitagabend war einfach herrlich und trug zum Gelingen der Jubiläumsfeier bei. Mit drei Blöcken unterhielten die Sängerinnen und Sänger des Kirchenchores die Gäste, welche die Plätze an der Tafel bis auf den letzten Platz füllten.

So waren beispielsweise solche Lieder wie „Nun danket alle Gott“, „Der Herr ist mein Hirte“, "Ich will dem Herren singen“, „Wirf dein Anliegen auf den Herrn“ oder „Verleih uns Frieden“ und das „Vater unser“ zu hören. Mit den Liedern „In einem kühlen Grunde“ oder „Und in dem Schneegebirge“ gab es aber auch andere Klänge zu hören. Kantor Andreas Förster und auch andere Chormitglieder waren in historischer Kleidung gekommen, um die Geschichtsträchtigkeit des Kirchenchores auch auf diese Art und Weise zum Ausdruck zu bringen. Das Essen für die „Lange Tafel“ war von Kirchgemeindemitgliedern zubereitet worden.

Auch mit dem Essen wollte man die Zeit vor 150 Jahren aufgreifen – das Essen jedoch habe sich nicht viel gewandelt, konnte festgestellt werden. Ein Hinweis für die Gründung des Eisfelder Kirchenchores bezieht sich auf das Jahr 1868. Kirchenmusikdirektor Müller aus Salzungen sollte am 16. Januar in Eisfeld eintreffen, um im Werrastädtchen einen Kirchenchor nach Salzunger Muster zu bilden. In der Eisfelder Zeittafel sind hinsichtlich des Kirchenchores viele einzelne Details aufgeführt. In einem Inserat des Herzoglichen Kirchen- und Schulamtes Eisfeld hieß es im Jahr 1869, dass entsprechend der Kirchenchorordnung außer an den gesetzlich feststehenden 12 Festaufführungen jährlich noch vier besondere kirchliche Aufführungen stattfinden sollen.

Im Rückblick auf die letzten 28 Jahre haben die Sängerinnen und Sänger u. a. im Jahr 1991 in Stelzen am Gemeindefest und dem Kirchenchortreffen in der Itzgrotte teilgenommen. Im Jahr 1995 gab es im Oktober einen besonderen Gedenkgottesdienst anlässlich des 440. Todestages von Justus Jonas, an dem auch der Kirchenchor aus Münsingen mitwirkte. Mit einem musikalischen Gottesdienst beging im Jahr 2003 der Eisfelder Kirchenchor sein 135-jähriges Gründungsjubiläum. Den Gründungszeitpunkt 1868 hatte Eisfelds Stadtchronist Klaus Pfrenger ermittelt. Mit dem Weihnachtsoratorium gab es am 29. November 2008 ein musikalisches Großereignis in der Dreifaltigkeitskirche.

Unter Leitung von Kirchenmusikdirektor Volker Koch aus Hildburghausen wirkten das Westsächsische Kammerorchester Zwickau, der Kammerchor der Singakademie Suhl, der Kirchenchor Eisfeld, das Trompetenensemble Robert Wintzent aus Jena, die Kinderchöre der Regelschule Eisfeld und der Kantorei Eisfeld, Jürgen Fleischhauer aus Zwickau, Kirchenmusikdirektor Horst Fröhlich aus Jena, Gesangssolisten aus Würzburg und Essen sowie Sängerinnen und Sänger aus Jena, Schleusingen und Hildburghausen mit. Auch wurde beispielsweise die Festveranstaltung im Schloss-Saal zum 200. Geburtstag des Dichters Otto Ludwig durch den Kirchenchor musikalisch umrahmt.

Am 1. November 2015 wird der neue Kantor Andreas Förster eingeführt. An der musikalischen Ausgestaltung des zentralen Festgottesdienstes zum Jubiläum 500 Jahre Reformation als Kantatengottesdienst waren der Kirchenchor, die Kantorei Hildburghausen, zusätzliche Solisten und ein Orchester beteiligt. Ohne Stadtchronisten, so wie Klaus Pfrenger einer ist, wären die geschichtlichen Ereignisse von Städten und Dörfern übrigens nicht bekannt. Dafür sei den Frauen und Männern an dieser Stelle auch einmal gedankt.

Heute umfasst der Eisfelder Kirchenchor 29 Mitglieder. Nicht alle von ihnen können jedoch noch aktiv sein, so Pfarrer Bernd Kaiser und Kantor Andreas Förster am Rande der Veranstaltung. Unter den Kirchenchormitgliedern gibt es einen großen Zusammenhalt. Es wird nicht nur gesungen, sondern man feiert auch gern. Jedes Jahr gebe es auch eine Chorfahrt und zu Beginn des Jahres ein Karpfenessen. Im Jahr gibt es auf jeden Fall drei traditionelle Konzerte, wissen Pfarrer Kaiser und Kantor Förster. Das sind der Karfreitag, der Tag des offenen Denkmals und der dritte Advent.

Auch zu den Kirchenchortreffen ist man oftmals vertreten. Bei den Auftritten würden auch das Altenheim auf dem Thomasberg und auch die Filialorte Heid und Herbartswind nicht vergessen werden. „Wir sind wie eine Familie“, ergänzt Grete Göhring. Sie ist seit 22 Jahren dabei und würde als „Mutter des Kirchenchores“ bezeichnet werden. Bis zum Ende des ersten Weltkrieges seien nur Männer und Knaben im Kirchenchor gewesen, so Bernd Kaiser und Andreas Förster. Dann wurden auch Frauen mit ins Boot geholt. „Die Kirchgemeinde ist sehr stolz auf den Chor.“ Nach 1990 gab es große Aufführungen und auch CDs wurden aufgenommen.

Chormitglied Barbara Axthelm gab aus ihrer Sicht einen Rückblick auf 45 Jahre Chortätigkeit. Übrigens, so Barbara Axthelm, „singen und feiern Chöre gern“. Dies war auch an diesem sommerlichen Abend der Fall. So wie Pfarrer Bernd Kaiser hoffen sicherlich Viele, dass auch künftig weitere Jubiläen gefeiert werden können. Es war ein Tag, an dem Akteure und Gäste sich in Herz, Mund und Seele auf unterschiedlichste Art und Weise stärken konnten.

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