Donnerstag, 07.07.2022 09:39 Uhr

Skandal um Poetry Slam Wettbewerb

Verantwortlicher Autor: Tamás György Morvay Hamburg, 10.11.2021, 13:47 Uhr
Presse-Ressort von: Tamás Morvay Bericht 6638x gelesen

Hamburg [ENA] Wenige Tage vor dem Jahrestag der Novemberpogrome sendet der Norddeutsche Rundfunk ein Porträt des Poetry-Slammers David Friedrich. Darin erzählt der “Künstler” auch über seinen Kampf gegen die Depression – und leistet sich dabei eine Bauchlandung: aus seiner “dünnen Haut” würden Kindergarten-Schüler Lampione basteln. Der Sender, angesprochen auf diese bestenfalls ungewollte Provokation, hat bis heute nicht reagiert!

Auf der Seite des gebührenfinianzierten Senders NDR erscheint am 3. November – nur wenige Tage vor dem Jahrestag der Novemberpogrome von 1938 ein Bericht über den Poetry Slammer David Friedrich, dem Shootingstar und “Poetry Slam Meisters”. Seine preisgekrönte Entgleisung ist an Menschenverachtung und Geschichtsvergessenheit kaum zu übertreffen: "Heute war ein guter Tag. Heute hatte ich keine Probleme aufzustehen. Ich hab sogar geduscht. [...] Als das kleine Handtuch, das zum Händewaschen neben dem Waschbecken (hängt), beim dritten Versuch, es aufzuhängen, wieder runtergefallen ist, bin ich zusammengebrochen. Meine Haut ist so dünn. In der Kita würden sie kleine Laternen aus mir basteln, weil das Kerzenlicht so schön durchflackern würde.

Ich bin Jude. Ich bin der Sprössling zweier Überlebenden des Holocausts. Ich bin entsetzt, darüber, dass in der dritten Dekade des 21. Jahrhunderts ein junger Mensch – Jahrgang 1991 – etwas so Geschichtsvergessenes wiedergeben darf und dafür auch noch ausgezeichnet wird. Es mag sein, dass er sich der Ungeheuerlichkeit nicht bewusst ist – auch wenn mir der Glaube daran fehlt, denn wie sonst wäre diese Assoziation entstanden. Aber er wird auch noch von der Jury belohnt, die vermutlich nicht aus Menschen besteht, die die Schule ohne Abschluss absolviert haben, und daher keine Geschichte gelernt haben.

Nicht zu entschuldigen dann die Fehlleistung des ARD-Senders im hohen Norden, mit fast 3-wöchiger Distanz und Zeit zur Reflexion, diese Passage wiederzugeben. In Bild und Ton! Ich habe den Sender angeschrieben, sobald ich von dieser Entgleisung erfuhr, und verlangte eine Korrektur. Nicht nur, dass daraufhin bisher nichts geschah, ich erhielt auch keine Antwort. Ist man da vielleicht der Meinung, die Freiheit der Kunst sei das höhere Rechtsgut als meine erlittene Verletzung? Das sollte ein Gericht prüfen, und zwar dringend!

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